Der Haftpflichtschaden

Die Regulierung eines Haftpflichtschadens erfolgt auf der Grundlage rechtlicher Bestimmungen des Gesetzgebers und der darauf aufbauenden Rechtsprechung. Das Ingenieurbüro Janssen verfügt durch seine jahrzehntelange Erfahrung zwar über fundierte juristische Grundkenntnisse, kann und will aber keine juristische Beratung leisten. Statt dessen raten wir dringend dazu, jeden Unfallschaden - und sei er noch so geringfügig - mit einem juristischen Beistand zu regulieren. Die Kosten der Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts zur Durchsetzung des berechtigten Schadenersatzanspruchs trägt - um "Waffengleichheit" zwischen dem Geschädigten und dem Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers herzustellen - die gegnerische Versicherung und ist insoweit für den Geschädigten nicht mit zusätzlichen Belastungen verbunden.

 

Was passiert, wenn ich ein Gutachten in Auftrag gebe?

Bei Ihrem Anruf vereinbaren wir zunächst einen Besichtigungstermin, wobei wir uns weitgehend nach Ihren persönlichen Wünschen richten. So kann die Besichtigung bei Ihnen Zuhause, in Ihrer Werkstatt, an Ihrem Arbeitsplatz (z.B. in der Mittagspause) oder an (fast) jedem anderen von Ihnen gewählten Ort stattfinden - selbstverständlich auch an unserem Büro. Zeitlich richten wir uns ebenfalls nach Ihren Wünschen, jedoch mit der Einschränkung, daß für die photographische Dokumentation des Schadens ausreichendes Tageslicht erforderlich ist, was die Terminierung in den Wintermonaten zeitlich einschränkt. Selbstverständlich besichtigen wir Ihren Unfallschaden auch an Sonn- und Feiertagen. Der Zeitbedarf für die Schadenaufnahme beträgt im Regelfall etwa 30-45 Minuten, für die Beratung und die Beantwortung Ihrer Fragen stehen wir solange zur Verfügung, bis alle Ihre Fragen geklärt sind.

 

Der Besichtigungstermin ist vorüber, wie geht es weiter?

Wenn Sie unserer dringenden Empfehlung gefolgt sind, vereinbaren Sie einen Termin mit einem Anwalt. Diesem schildern Sie den Unfallhergang, lassen sich bezüglich der möglichen Regulierungsformen beraten, Sie erfahren, welche weiteren Ansprüche Sie geltend machen können und auch, welche Pflichten Sie im Rahmen der Schadenregulierung haben. Sie unterschreiben eine Vollmacht, damit der Anwalt für Sie tätig werden darf. Ggfs. verbringen Sie Ihr Fahrzeug in die von Ihnen gewählte Reparaturwerkstatt, lehnen sich entspannt zurück und genießen Ihr Leben.

Währendessen haben wir bereits mit der Gutachtenerstellung begonnen. Wir dokumentieren den Schaden anhand der bei der Besichtigung gefertigten Photographien, legen den zur Reparatur des Schadens erforderlichen Reparaturweg fest, kalkulieren die Reparaturkosten nach Vorgaben des Fahrzeugherstellers, ermitteln den Wiederbeschaffungswert, den Restwert, ggfs. den merkantilen Minderwert. Wir nehmen Stellung zur Reparaturdauer, der Frage nach der Reparaturwürdigkeit ihres Fahrzeuges und stellen fest ob das Fahrzeug noch fahrbereit ist (hierzu erhalten Sie bereits eine Aussage anläßlich der Fahrzeugbesichtigung). All diese Werte und Feststellungen werden in unserem Gutachten niedergelegt und mit (hoffentlich verständlichen) Erläuterungen versehen. Sind unterschiedliche Regulierungsvarianten möglich, werden diese ebenfalls im Gutachten dargestellt. Falls Ihrerseits zu irgendeinem Detail im Gutachten Fragen auftreten, kontaktieren Sie uns.

Unsere Zielsetzung ist es, das Schadengutachten binnen eines Werktages fertigzustellen. Bei der Möglichkeit eines Totalschadens benötigen wir ca. 3-4 Werktage, da wir auf Angebote Dritter angewiesen sind, deren Eingang bei uns wir nicht nennenswert beeinflussen können.

Nach Fertigstellung des Gutachtens erhalten Sie eine Kopie des Gutachtens für Ihre Unterlagen, zeitgleich versenden wir das Original nebst einer Kopie an Ihren Anwalt oder - so Sie sich gegen unseren Rat dazu entschlossen haben, die Schadenregulierung selbst durchzuführen - an die gegnerische Versicherung.

Ihr Anwalt wird anhand unseres Gutachtens sowie weiterer, ggfs. von Ihnen beizubringenden Unterlagen (ärztliches Attest o.ä), Ihre Gesamtforderung unter Setzung einer Frist an die Versicherung herantragen und letztlich Ihre Forderung gegen die gegnerische Versicherung durchsetzen.

Zur Dauer der Schadenregulierung kann kaum eine seriöse Aussage gemacht werden. Die Zeitspanne reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten, in Ausnahmefällen auch Jahre (das ist wirklich die Ausnahme - das passiert nur ganz selten). Tendenziell läßt sich aus unserer Erfahrung feststellen, daß eine Regulierung mit Hilfe eines Anwalts idR. nach 3-5 Wochen abgeschlossen ist und dabei meist eine vollständige Schadenregulierung erzielt wird, während die Regulierung ohne Anwalt entweder sehr schnell (innerhalb von 2 Wochen) oder sehr langsam (Akte im Haus unterwegs, Bilder verlorengegangen, Sachbearbeiter nicht im Haus/krank/im Urlaub, ...), aber regelmäßig mit meist ungerechtfertigten Kürzungen erfolgt.

 

Das Gutachten liegt vor. Was bedeutet was? So viele Zahlen

Lassen Sie sich nicht erschrecken - die wichtigsten Zahlen sind am anfang des Gutachtens zusammengefaßt:

Wiederbeschaffungswert

Der Wiederbeschaffungswert (WBW) ist eine der wichtigsten Zahlen im Gutachten. Zusammen mit den Reparaturkosten (RK) entscheidet er über die "Zukunft" Ihres Fahrzeuges, d. h. darüber, ob Ihr Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat oder nicht.

Der Wiederbeschaffungswert entspricht bei neueren Fahrzeug dem Preis, den Sie für ein dem Ihren vergleichbares Fahrzeug im seriösen Fachhandel (kein "Fähnchenhändler", kein Onlinehandel) bezahlen müßten, wenn Sie innerhalb von 14 Tagen in Ihrer Region ein Ersatzfahrzeug beschaffen würden. Diese Formulierung macht deutlich, daß der Wiederbeschaffungswert nichts mit Billigangeboten aus dem Internet oder den Inzahlungnahmepreises Ihres Autohauses zu tun hat. Der Wiederbeschaffungswert soll Sie nach dem Willen des Gesetzgebers in die Lage versetzen, in einer "angemessenen Zeit" (14Tage) mit vertretbarem Aufwand ein "vergleichbares" Ersatzfahrzeug zu beschaffen. Wer jemals ein 4 Jahre altes Ersthandfahrzeug mit Wunschausstattung durch ein "vergleichbares" Fahrzeug ersetzen mußte weiß, daß er entweder teuer oder wenig vergleichbar (d. h. älter, höherer Tachostand, weniger Ausstattung, schlechterer Zustand) kaufen muß.

Bei älteren Fahrzeugen sind vergleichbare Fahrzeuge im "seriösen" Fachhandel schlicht nicht verfügbar. Entsprechend schwierig wird die Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes. In diesen Fällen muß ermittelt werden, zu welchem Preis der seriöse Fachhandel ein vergleichbares Fahrzeug fiktiv anbieten könnte. Ausgehend von einen sehr niedrigen Einkaufspreis im Privathandel oder im "nichtseriösen" Fachhandel muß dann unter betriebswirtschaftlichen Randbedingungen ein fiktiver Verkaufswert ermittelt werden. Dieser Wert liegt regelmäßig deutlich über den üblichen Angebotspreisen diverser Onlineportale. Was vordergründig wie ein "Unfallgewinn" aussieht, ist bei näherer Betrachtung nichts anderes, als eine Art "Reparaturversicherung". Da tatsächlich im seriösen Fachhandel ältere Fahrzeuge gar nicht erst angeboten werden, ist der Geschädigte gezwungen, auf dem Privatmarkt (oder im "unseriösen" Fachhandel) zu kaufen. Altfahrzeuge werden jedoch idR. "aufgefahren", verkauft werden sie meist nur, wenn größere Reparaturen anstehen. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Ersatzfahrzeug einen Reparaturstau aufweist ist daher groß, eine Gewährleistung jedoch gibt es nicht, da der Privatverkäufer diese ausschließen kann und wird und der unseriöse Händler im Zweifel in die Insolvenz geht.

 

Der Restwert

Der Restwert "RW" ist der wohl am meisten mißverstandene Wert in einem Gutachten. Zwei von Drei Kunden schauen wie das sprichwörtliche "frischbesamte Eichhörnchen", wenn in einer ersten Einschätzung von ein paar Hundert bis ein paar (wenige) Tausend Euro Restwert die Rede ist. Gelegentlich gibt es auch erboste Anrufe, wenn im Schadengutachten ein Restwert von wenigen Hundert Euro festgestellt wird, im Leasingvertrag aber eine 5-stellige Sunme steht. Tatsächlich jedoch hat der Restwert im Schadengutachten mit dem Restwert-Leasing nichts zu tun. Im Leasing versteht man unter dem Restwert den kalkulierten Wert des normalgenutzten Fahrzeugs am Ende der Leasingzeit. Im Schadengutachten ist der Restwert der Preis, der "am regionalen, jedermann frei zugänglichen Markt" für das verunfallte Fahrzeug konkret erzielt werden kann. Der "regionale, jedermann frei zugängliche Markt" meint dabei die Stellen, an denen ein normal verständiger Bürger versuchen wird, sein verunfalltes Fahrzeug zu verkaufen: die Werkstatt, in der er die Wartungen durchführen läßt, der örtliche Schrotthändler, der Unfallaufkäufer, der in der Ortszeitung inseriert. Der Bundesgerichtshof hat dazu höchstrichterlich entschieden, daß Onlineboersen nicht zur Restwertermittlung geeignet sind. Daß ein Wert konkret erzielt werden kann, muß mit einem konkreten Kaufangebot belegt werden.

Bei einem Totalschaden erstattet die Versicherung den sog. Wiederbeschaffungsaufwand (WBA), um diesen zu ermitteln, wird der Restwert vom Wiederbeschaffungswert abgezogen (und ggfs. weitere Kosten berücksichtigt). Je höher der Restwert, desto geringer ist die Summe die die gegnerische Versicherung ausgleichen muß.

Reparaturkosten

Nachdem wir den Reparaturweg unter Berücksichtigung der Vorgaben des Herstellers festgelegt haben, kalkulieren wir die voraussichtliche Höhe der Reparaturkosten mit den UPE des Herstellers und unter Verwendung der Hersteller-Zeitvorgaben. Bezüglich der Lohnkosten gibt es je nach Fahrzeugalter und Wartungszustand unterschiedliche, durch die Rechtsprechung gesetzte Rahmenbedingungen, die zu berücksichtigen sind. Grundsätzlich wird es immer möglich sein, durch einen abweichenden Reparaturweg höhere oder nierigere Reparaturkosten zu erzielen. Auch die Verwendung von Gebrauchtteilen oder Teilen aus dem Zubehör lassen die Reparaturkosten deutlich sinken. Auch hier könnte man "Unfallgewinne" vermuten, diese erweisen sich jedoch als zweischneidiges Schwert, insbesondere bei finanzierten oder geleasten Fahrzeugen, sowie bei allen jüngeren Fahrzeugen:

Auch nach einer sorgfältigen Reparatur erleidet das Fahrzeug einen Wertverlust, da die Eigenschaft "Unfallfahrzeug" einem Käufer immer und unaufgefordert mitgeteilt werden muß. Dieser "merkantile Minderwert" ist nur schwer und in nur unzureichender Höhe der Versicherung gegenüber als Schaden durchzusetzen. Die Festlegung dieses Minderwertes erfolgt dabei unter der Annahme, daß sowohl der Schaden mit dem zur Reparatur erforderlichen Reparaturweg durch ein Gutachten als auch die Reparatur als solche durch Rechnung eines Fachbetriebes, der dem vorgegebenen Reparturweg folgt, zweifelsfrei dokumentiert ist. Fehlt das Gutachten oder die Rechnung, oder weicht die Rechnung stark von der Reparaturvorgabe ab, verringert sich der Fahrzeugwert und damit auch der Wiederbeschaffungswert im Falle eines weiteren Unfalls ganz erheblich so daß auch bei jungen Fahrzeugen mit geringen (neuen) Schäden schnell die Totalschdengrenze erreicht wird und die Schadenersatzleistung zur Darlehenstilgung u. U. nicht mehr ausreicht.

 

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